Frühstücksideen

Wir haben es wieder getan. Zum zweiten Mal in einem Schweinegrill Mu Yang gefrühstückt. Das hatte ja neulich mit totaler Überfressung geendet. Diesmal waren wir etwas vorsichtiger und gingen die Sache ruhiger an. Das Lokal, Pong O Cha Dim Sum, gefiel uns auch ein wenig besser, als das erste. Nur ein paar Häuser weiter in der selben Straße, ist der Laden etwas kleiner, aber das Schwein knackiger und die Dim Sum werden nach dem Auswählen an der Theke noch einmal ordentlich im Dämpfer erhitzt. Die Wartezeit trägt dazu bei, dass man nicht so sehr von der Masse an Speisen erschlagen wird. Wenn man als Gast dann bewusst genießen kann, wird ein bekömmliches Frühstück draus, dem sogar zu wieder zur Zeit ein ordentliches Mittagessen folgen kann.

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Mit Völlerei zur Weltherrschaft

Der Taxifahrer erzählt uns lachend, dass die halbe Stadt an Diabetes erkrankt ist. Die andere Hälfte hat Bluthochdruck. Trang gilt unter Thailänder als besonders verfressen. Das will schon was heißen. Wir müssen meist schon nach dem Frühstück kapitulieren. Leider. Die Menschen hier haben eine ganz andere Motivation. Und jahrelanges Training. Das sieht man einigen auch schon an. Anderen nicht, aber das wird noch.

Es scheint insgesamt eine ähnliche Situation vorzuliegen, wie in den südlichen USA in den 1950er Jahren. Eine agrarische Gesellschaft in subtropischem Klima erhält relativ plötzlich nahezu unbegrenzten Zugang zu billiger Energie. Die historischen Parallelen sind frappierend: Jeder verfügt frei über Kohlenhydrate, Klimaanlage und Automobil. Zufussgehen wird unmöglich, die Infrastruktur ist ausschließlich für Motorfahrzeuge ausgelegt. Es existiert eine kultische Verehrung für Fried Chicken, Technikgläubigkeit und Zukunftsbegeisterung, gepaart mit abergläubischer Religiosität, beherrschen den Zeitgeist.

Zwingend logische Folge solcher extremen Bedingungen sind natürlich ein Boom wichtiger Schlüsselindustrien, wie Computer, Raketentechnologie, Flugzeugbau und Rüstung. Es ist also vorprogrammiert, daß Thailand in wenigen Jahrzehnten große Teile der modernen Welt dominieren wird, während die Kinder der Unterschicht elefantitische Dimensionen erreichen.

Als Beweis mögen ein paar Bilder von einem Koch-Festival genügen, in das wir zufällig hineinstolperten. Leider konnten wir nicht alles probieren.

Meeresfrüchtesalat schmeckt frittiert doppelt so gut.

Der Besuch dieses Standes war in jeder Hinsicht deprimierend. Das Festival dauerte nicht lang genug, um alle Gericht zu probieren. Wenn man aber etwas kostet, wie das Gaeng Kilek vorn, macht es einem beim ersten Bissen klar, dass man das so gut wohl nicht so bald wieder bekommt, an Nachkochen wagt man gar nicht erst zu denken.

Gaeng Kua Ped steht wohl relativ selten auf Speisekarten. Die Paste Gaeng Kua wird im Prinzip aus den üblichen Gewürzen für rote Currypaste gemacht, aber ohne Kreuzkümmel und Koriander. Hier dominierte fruchtig frischer Kurkuma, welcher das schwere Entenfleisch auch über die Sättigungsgrenze hinaus schmackhaft machte.

Das Pastetige Gebäck ist nicht ganz so süß, wie es aussieht, aber immer noch süß genug. Oft wird auch Fleisch verbacken, aber immer noch als Süßigkeit. Klingt seltsam, ist aber immer sehr lecker.

Zwischendurch muss auch mal Obst sein. Die Früchte der Palmyra-Palme kann man so essen oder mit zerstoßenem Eis als traditionelles Dessert löffeln.

Über den Cha Shak wurde schon berichtet.

Die staubige Straße zur Weltherrschaft bereist man natürlich im Pick Up Truck

Fischsuppe kräftig – Gaeng Tai Pla

Die Regionalen Spezialitäten in Trang waren, wie schon erwähnt, sehr reichhaltig und eher mild. Das macht bei der Hitze natürlich etwas träge, vor allem, wenn man Klima und Essen nicht gewöhnt ist. Ziemlich schnell überkam uns das Bedürfnis nach erfrischend scharfem Frühstück. Da bietet sich in Südthailand das berühmt-berüchtigte Gaeng Tai Bla an, ein Curry aus fermentierten Fischinnereien, deren strenger Geschmack mit ganz viel Chili erträglich gemacht wurde. Das wird zum Frühstück als Kanoum Chin, also auf Reisnudeln und mit einem riesigen Gemüsebuffet serviert.

Die entsprechenden Garküchen sind nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich. Aber nach kurzem Durchfragen fanden wir in den weitläufigen Markthallen am Bahnhof die entsprechende Gasse. Gaeng Tai Pla ist auch unter Thailändern nicht unbedingt jedermanns Sache. Da ist man als Ausländer dann schon eine kleine Attraktion bei den Nudeltöpfen, die Standnachbarn kommen vorbei und schauen, ob man tatsächlich aufisst.

Woraus die Paste genau besteht, weiß ich nicht. Tai Pla heißt wohl wörtlich Fischnieren. Manchmal wir von Blasen gesprochen. Der südliche Dialekt nennt es Pung Pla, Fischbauch oder Wanst. Es sind nämlich wohl tatsächlich die gesamten Innereien, die durch Fermentation in etwas ähnliches wie ein Nahrungsmittel verwandelt werden. Dann, wie erwähnt, noch jede Menge Chili, aufgrund der gelben Farbe vermute ich auch Kurkuma und mit diesem die üblichen, anderen Currygewürze.

Wenn man über fertige Paste verfügt, braucht einen das auch nicht weiter zu interessieren. Dann ist die Zubereitung nämlich denkbar simpel: Man kocht eine Suppe aus beliebiger Gemüseeinlage und Fischfleisch, rührt ein bis zwei Löffel Paste ein und schmeckt mit Fishsauce ab. Als Gemüse eignet sich Zucchini oder, wenn verfügbar, die festere, längliche Thai-Aubergine

Beim Essen sollen Nudeln und Currysauce unter frischen Kräutern und Gemüse verschwinden. Bevorzugt natürlich die Sachen aus dem Asia-Supermarkt, aber prinzipiell eignet sich alles, was sich roh essen lässt.